Es begann mit einem Boßelkampf.

 

Am Sonntag, den 21. Januar 1909, fanden sich junge Männer zusammen, um innerhalb des Dorfes einen Boßelkampf auszutragen. Man kannte zum damaligen Zeitpunkt weder Satzung noch Bestimmungen über das Boßelspiel. Die Hauptsache war, sich sportlich zu betätigen. So war es auch verständlich, dass man nicht gewillt war, sich einem schon bestehenden Verein anzuschließen. Vielleicht gab es auch schon unter den ersten Boßlern einige, die sich mit dem Gedanken der Gründung eines Vereins trugen. So kam es am 31. Januar des gleichen Jahres zu einem erneuten Kampf zwischen Oster- und Westerreihe. Nach dem Kampf fand man sich dann zusammen und kam überein, einen Verein zu gründen. Erstaunlich war, dass sich 41 Männer diesem Aufruf anschlossen. Am 2. Februar 1909 wurde der Boßelverein „Mildeburg" aus der Taufe gehoben. 1. Vorsitzender wurde Johannes Christiansen.

 

So begann hier ein Vereinsleben, das den jungen Männern in diesem heimatlichen Sport eine Möglichkeit der körperlichen Betätigung bot. Nach den vorliegenden Protokollen stand im Mittelpunkt der Vereinsarbeit die Austragung von Wettkämpfen. Sie wurden mit wechselndem Erfolg bestritten. Der 1. Weltkrieg brachte dann das Vereinsleben zum Erliegen. So mancher Boßler kehrte nicht wieder in sein Heimatdorf zurück. Für diese Gefallenen ließ der Boßelverein eine Gedenktafel errichten. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass man ihrer immer in Ehren gedenken wolle.

 

Erst im März 1919 wurde der Verein wieder neu ins Leben gerufen. Auch hier zeigte sich erneut, dass besonders die Jugend sich dem Heimatsport verschrieb. Dem Verein kam zustatten, dass sich keine weitere Vereinsbildung ergab. Schon damals waren es vor allem Fritz Christiansen und Peter Reimers, die sich um das Vereinsleben verdient machten. Ihrem nimmermüden Einsatz ist es zu verdanken, dass der Verein eine Blütezeit erlebte, wie sie in diesem Ausmaße nie wieder aufkam. Der Verein eilte in dieser Zeit von Sieg zu Sieg. Der Boßelverein „Mildeburg" war damals bei den Boßlern der engeren und weiteren Umgebung in aller Munde. In diesem Abschnitt der Vereinsgeschichte war es manchmal schwierig einen Gegner zu finden.

 

Allmählich bildeten sich nun in Mildstedt mehrere andere Vereine. Es erfolgte eine gewisse Abkehr vom Boßelsport. Ganz zum Erliegen kam der Verein dann durch den

2. Weltkrieg. Danach ergriffen noch einmal Peter Reimers und Emil Schwabe die Initiative, um den Verein wieder zum Leben zu erwecken. Hier verdient erwähnt zu werden, dass Peter Reimers, der schon Ehrenvorsitzender geworden war, die Werbetrommel rührte. Diese Bemühungen wurden auch belohnt. Aber auch diese Ära wurde wieder beendet und der Boßelsport kam erneut völlig zum Erliegen. Hierzu trugen insbesondere auch die Krankheit von Peter Reimers und der Fortzug von Emil Schwabe bei.

 

 

Im Jahre 1964 wurde dann ein erneuter Versuch unternommen, den alten Verein

„Mildeburg" wieder zu Ansehen zu bringen. Einberufer für eine evtl. Neubelebung des Vereins waren Emil Schwabe, der wieder nach Mildstedt gezogen war, und

Jürgen Behrend, also Männer, die auch nach 1945 Männer der ersten Stunde gewesen waren. Am 03.06.1964 wurde dann ein neuer Vorstand gewählt mit Jürgen Behrend als

1. Vorsitzenden und Emil Schwabe als 2. Vorsitzenden an der Spitze. In das Protokoll trug der damalige Schriftführer und Kassenwart Alfred Jacobs folgenden Satz u. a. ein:

 

„Viele Männer hatten schon den Mut verloren und

kaum noch an einen Neubeginn geglaubt. Haben wir

Boßler doch sehr unter Fußball zu leiden, denn gerade

die Jugend soll uns doch helfen, den Boßelsport zu

erhalten."

 

Ein Höhepunkt war dann sicherlich die Ausrichtung des 30. Verbandsfestes für Boßler aus ganz Schleswig-Holstein. Am 4. und 5. Februar 1967 kamen 500 Boßler in Mildstedt zusammen. Stellvertretend für alle Beteiligten an der Durchführung dieses Verbands-

festes sei Alfred Jacobs erwähnt, dem der Verein sehr viel zu verdanken hat.

 

Die Erfolge in den nächsten Jahren waren sehr wechselhaft.

 

Von 1968 bis 1973 wurde der Verein dann geführt von Tischlermeister Hans Knutz. Von 1973 bis 1983 lagen die Geschicke in Händen von Tete Jensen als 1. Vorsitzenden. In diese Zeit fiel dann auch noch eine Neuerung. Auf der Generalversammlung vom 19.1.1977 wurde – zunächst gegen einige Widerstände – eine Damengruppe gegründet, die schon bald sehr erfolgreich boßelte. Dies hat sich für den Verein als Glücksfall erwiesen.

 

Schon mit Beginn der 70-iger Jahre hatte der Bosselsport mehr und mehr Mühe sich gegen den Sportverein Mildstedt mit seinem vielfältigen Angebot, besonders dem Handball, zu behaupten. In dieser Zeit sank der Zuspruch, damit häuften sich die Niederlagen weil nur mit wenigen Boßlern Feldkämpfe bestritten werden konnten. Mit der Wahl von Wolfgang Lorenzen zum 1. Vorsitzenden im Januar 1983 endete sich dies. Durch seine Kompetenz, Akzeptanz und den nimmermüden Einsatz kamen viele wieder zum Bosselsport. Damit stellten sich auch wieder Erfolge ein, die wiederum beflügelten. Auch die Jugend konnte er begeistern, sodass der Name „Mildeburg" wieder einen guten Klang bekam.

 

Insbesondere in den letzten Jahren konnten durch intensive Jugendarbeit von Jürgen Brandt und Elvira Raab viele Jugendliche an die Herrenmannschaft bzw. an die Damenmannschaft herangeführt werden, was sich sowohl auf die Mannschaftsstärke als auch auf die Ergebnisse positiv auswirkt. Es konnten in den letzten Jahren jeweils mehr Feldkämpfe gewonnen werden als verloren wurden. Ein großer Erfolg war, dass sich die Jugendlichen Lars Hunwardsen und Christian Brandt für die Europameisterschaft 2000 qualifizieren konnten.

 

Wenn wir den jetzigen Stand halten können, sind wir sehr zufrieden. Dann braucht man auch in Mildstedt nicht bange um die Zukunft des Vereins und damit auch die des alten Heimatsportes zu